Vorwort

Vor nicht allzu langer Zeit wären die in diesem Buch enthaltenen Wahrheiten von der Öffentlichkeit ins Lächerliche gezogen worden. Erst im Zuge der letzten fünf Jahrzehnte haben sich die Köpfe der Menschen öffnen können, um neues Denken aufzunehmen. Fast gleichzeitig scheint sich in der westlichen Welt die Erkenntnis verbreitet zu haben, dass hinter dem Leben mehr steckt als die bloßen Gedanken die uns eine Existenz vorgaukeln. Es muss einen Grund geben weshalb wir, als Spezies, so sehr körperlich und geistig erkrankt sind. Weiterlesen

Ein Anfang

Wir hatten uns mit Jean und ihrem Freund auf einer Party verabredet und waren – weil Jean meistens unter den ersten war, die eintrafen – frühzeitig erschienen. An diesem Abend muss sich jedoch etwas Außergewöhnliches zugetragen haben, denn mittlerweile war eine Stunde vergangen und von Jean fehlte noch immer jede Spur.
„Es passt gar nicht zu ihr, sich zu verspäten; normalerweise ist sie überpünktlich“, sagte Chrissie zu niemand bestimmten.
‚Ja‘, dachte ich, ‚und stets die erste, die es wieder hinausdrängt. ‘
Dann kam sie plötzlich doch noch durch die Tür. Aber nicht die strahlende Jean die wir kannten, sondern ein Schatten ihrer selbst, blass und fahrig. Offensichtlich hatte sie mit ihrem Freund, der ihr unmittelbar folgte, Streit gehabt; er blickte zu uns herüber, zuckte mit den Achseln und setzte sich.
Jean unternahm gar nicht erst den Versuch, sich mit der feierlichen Stimmung des Abends anzufreunden. Als ihr Freund versuchte, den Arm um ihre Schulter zu legen, wies sie ihn sofort zurück und schnauzte ihn an: „HÖR‘ AUF DAMIT! Du weißt, dass ich es verabscheue.“ Weiterlesen

Zu früh

„Heute ist ein wunderschöner Tag“, sagte Chrissie, als wir am Ufer des Flusses entlanggingen. Es war wieder einmal Samstagmorgen und gelegentlich trafen wir uns zufällig bei unseren Rundgängen. Tage wie dieser erinnerten mich daran, wie glücklich wir uns schätzen können am Leben zu sein.
„Sind wir es oder machen die Vögel alles verkehrt?“, fragte Chrissie während sie im Wasser rastende Enten beobachtete.
„Was meinst Du damit?“
„Nun…“, fuhr sie fort, „in der Welt der Vögel ist es das Männchen, das sich in prächtige Farben kleidet, um das Weibchen seiner Träume zu locken; bei uns sind es die Mädchen, die sich herausputzen und schön machen.“
Ich lächelte. „Das hat nichts mit dem Locken von Weibchen zu tun sondern vielmehr damit, die Aufmerksamkeit von Raubtieren auf sich zu ziehen.“
„Weshalb sollte das Männchen dies tun wollen?“ Weiterlesen

Ein Tisch für drei

Es war ein herrlicher Abend im Frühsommer und von unserem Platz auf der Terrasse konnte man das Blau der Leuchtkäferschwärme beobachten, als diese zum Flug ansetzten und wenig später im Dickicht der Weide verschwanden, um neues Licht zu tanken.
Das Restaurant war voller Gäste und wir saßen schon eine Stunde am Tisch, als Chrissie endlich das Schweigen brach.
„Die Leute hinter Dir scheinen nicht sehr glücklich zu sein“, merkte sie an.
Den Blick auf den Nachbartisch konnte ich mir sparen, denn ich wusste sofort, was sie meinte. Trotz räumlicher Entfernung konnte man die Aggression förmlich spüren.
Nur kurze Zeit später standen beide auf und verließen das Lokal. Nachdem dann auch der Tisch geräumt und neu gedeckt worden war, setzten sich zwei neue Gäste auf die wieder leeren Stühle.
„Fühlt sich schon viel besser an“, fand Chrissie. „Diese Beiden lächeln und sind glücklich. Überrascht es Dich nicht, dass die Einstellung einer einzigen Person so eine starke Wirkung auf ihr Umfeld haben kann; dass die Energie eines Mitmenschen Deine Gedanken und Gefühle beeinflusst?“ Weiterlesen

Das andere Ich

„Malcolm?“
Ich hob den Blick von meiner Lektüre.
„Können wir unser Gespräch von vor einigen Wochen im Restaurant fortsetzen?“
„Meinst Du das Gespräch darüber, dass die Energie des Geistes so mächtig ist, dass sie in die Taten und Gedanken anderer eindringen kann?“
„Ja. Ich mache mir Sorgen, ob ich wirklich die Kontrolle über mein Leben habe. Wer beherrscht mich: ich mich selbst oder sind es meine Gedanken? Wer bin ich wirklich, wenn es doch so einfach ist, die Gedanken eines anderen anzunehmen? Langsam glaube ich, dass ich gar nicht weiß, wer ich eigentlich bin – zumindest jener Teil von mir, der eigenständig sein sollte. Wir reden die ganze Zeit über Gedankenfreiheit; dabei könnte es genauso gut sein, dass ich durch die Gedanken anderer manipuliert werde.“ Weiterlesen

Das Unterbewusstsein

„Nun“, setzte Chrissie an, als wir mit unseren Getränken nach draußen gingen, um uns in die Abendsonne zu setzen. „Wer kommt wohin, wenn wir sterben?“
„Wie meinst Du das?“, fragte ich, während ich mich in einen weichgepolsterten Sessel fallen ließ.
„Man lehrt uns“, fuhr sie fort, „dass wir in den Himmel kommen, wenn wir sterben – zumindest an einen Ort, an dem weniger Chaos herrscht als im hiesigen Leben.“
„Und?“
„Worauf ich hinaus will ist Folgendes: wenn es zwei Kräfte gibt – das Unterbewusstseins und der Geist, wie Du immer wieder sagst -, welche der beiden kommt in den Himmel bzw. in jenen anderen Ort, den wir als Hölle bezeichnen?“ Bevor ich antworten konnte, fügte sie noch hinzu: „Kommt das Unterbewusstsein in eine Art Hölle und der Geist in den Himmel?“ Weiterlesen

Die Bewusstheit des Geistes

Der Herbst war im Anmarsch, die Luft roch förmlich danach. Erst kürzlich gepflügte Erde sonderte ihre typisch frische, klare Duftnote ab und Vögel flogen eifrig umher; damit beschäftigt, die reifen, noch verbleibenden Beeren einzusammeln.
Weitere Vogelarten, die man nur wenige Tage im Jahr zu Gesicht bekam, befanden sich auf Vogelwanderung – jener Reise über ausgedehnte Strecken, die über unzählige Jahre durch ebenfalls unzählige kleine Lebewesen zurückgelegt wurden – und rasteten in unserer Nähe, um aufs Neue Kraft zu tanken. Die Bäume hatten damit begonnen, ihr grünes Sommergewand gegen einen braunen Umhang zu tauschen.
Wir saßen, in warme Pullover gehüllt, am Ufer eines sanft fließenden Baches. Ich wandte mich Chrissie zu, die in Gedanken versunken war und sich dabei beobachtete, wie sie beim Ausatmen Muster in die Luft blies. Kurze Zeit später sagte sie: „Ich liebe dieses Leben in Bewusstheit, Malcolm. Es gibt keinen Anfang und auch kein Ende, nur die ewige Wiedergeburt in Gestalt eines von Gott stammenden, wundersamen Gedankens der Liebe.“ Weiterlesen

Besetzung

Nach der Arbeit beschloss ich, auf dem Heimweg noch bei einer Freundin vorbeizuschauen. Wir hatten tagsüber miteinander telefoniert und der Tonfall ihrer Stimme hatte mir Sorgen bereitet. Ellen war keine sonderlich emotionale Frau, doch war sie noch immer nicht darüber hinweg, dass ihr Ehemann sie vor nicht allzu langer Zeit verlassen hatte; plötzlich und ohne ersichtlichen Grund. Er beschloss eines Tages einfach, dass das Eheleben nicht für ihn bestimmt sei und suchte sich eine eigene Bleibe. Er unterstütze zwar seine Familie weiterhin finanziell; was jedoch alle weiteren familiären Aspekte betraf, war er von zuhause – mitsamt seinem Interesse an Frau und Kindern – verschwunden.
Ellen öffnete mir die Tür und schwieg; Weiterlesen

Engel

Chrissie war nach der Arbeit auf ihrem Nachhauseweg bei mir vorbeigekommen.
„Ich habe Dein Auto nicht kommen gehört“, sagte ich.
„Vielleicht deshalb, weil ich gar nicht mit ihm gefahren bin“, sagte sie schmunzelnd. Chrissie zog Handschuhe und Mantel aus und machte sich sofort auf den Weg in die Küche, um sich eine Tasse Kaffee einzuschenken. „Hast Du noch gar nicht gesehen wie viel Schnee liegt? Hast Du etwas zu essen, was ich schnell aufwärmen kann? Mich friert!“
„Versuch’s mit dem Topf auf dem Holzofen, es dürfte noch etwas Eintopf da sein.“
Ich saß im Wohnzimmer und nippte an meinem Lieblingsgetränk, einem Campari Soda, als Chrissie – die nach einer Mischung aus Kaffeerösterei und Fast-Food-Restaurant roch und immer noch ihren dicken Pullover und die übergroßen Socken trug – sich in ihren Lieblingssessel fallen ließ und einen Wettkampf begann: was könnte sie wohl schneller herunter schlingen, den Eintopf oder ihren Kaffee?
„Wenn Du so weitermachst, wirst Du ersticken“, schmunzelte ich.
„Puh, Malcolm, es ist heiß hier drinnen!“
„Vor einigen Minuten war es Dir noch zu kalt. Vielleicht hilft es Dir, den Pulli auszuziehen.“ Weiterlesen

Die Reise in den Geist

„Malcolm, meditierst Du eigentlich?“
„Nein, zumindest nicht mit Absicht. Wieso fragst Du?“
„Nun, wir sitzen hier und lauschen dem Regen da draußen; ich habe an nichts Außergewöhnliches gedacht und beschloss, dass es wohl ähnlich sein muss, wenn man meditiert. Du weißt schon, sich auf eine Empfindung statt auf Gedanken zu konzentrieren.“
„Ich denke, dass man es so deuten kann.“
„Man hat mir gesagt, dass einen beim Meditieren wunderbare Gefühle durchströmen, weil man die Welt der Gedanken hinter sich lässt, sich beruhigt und der Geist offen für seine Empfindungen wird. Sind das die Voraussetzungen dafür, dass Letzterer seine Ideen vortragen, bzw. seine Gedanken übermitteln kann? Weiterlesen